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Wir haben es für Sie getestet: das Écomusée du Haut-Beaujolais

vor 2 Tagen
5 Min. Lesezeit

Nein, diesmal geht es nicht um Ökologie, sondern um Wirtschaft.


Wenn wir hier von Textilien sprechen, denken wir sofort an die Lyoner Seide, die Canuts, die Seidenweber, und die Webstühle am Croix-Rousse. Doch nur wenige Dutzend Kilometer entfernt, in den Tälern des Haut-Beaujolais, wurde eine ganz andere Textilgeschichte geschrieben.


Hier ging es nicht um Seidenstoffe: Man webte unter anderem Baumwolle, Vichy-Stoffe, den Musselin aus Tarare und Leinen. Später kamen Decken und Moltonstoffe hinzu.



Eine echte Textilmanufaktur im Herzen des Haut-Beaujolais


Illustration de l'ancienne marque de la Ma nufacture

Auf geht’s zur Manufacture in Thizy-les-Bourgs, im Beaujolais Vert. Hier befinden wir uns in einer echten Fabrik


Über ein Jahrhundert lang wurden hier Decken und Moltonstoffe hergestellt. Die Fabrik wurde 1880 eröffnet und schloss 1981 ihre Tore. Ihre Produkte wurden unter anderem unter der Marke Le Chameau verkauft. Heute ist sie ein Museum.


Wenn man hier ankommt, besucht man also nicht einfach nur eine Ausstellung über Textilien, sondern betritt einen Ort, der selbst Teil dieser Geschichte war. Und genau das macht diesen Besuch besonders interessant.



Der Besuch beginnt schon bei der Ankunft: der Außenbereich


Batiment de la Manufature - Accueil à gauche

1 – Zunächst das Gebäude

Noch bevor es um Textilien geht, steht der Ort selbst im Mittelpunkt.


Die Manufacture ist kein Museum, das eigens errichtet wurde, um eine Industriegeschichte zu erzählen: Sie ist eine ehemalige Textilmanufaktur. Ihre Gebäude, Raumdimensionen und Anordnung zeugen noch heute von der Zeit, als hier täglich Arbeiter ihrer Tätigkeit nachgingen.


Das Gebäude ist selbst Teil der Geschichte, hält aber auch einige erste Entdeckungen bereit, die wir Ihnen gerne selbst überlassen.


2 – Danach die „Gänge“

Der Museumsbesuch beginnt bereits im Außenbereich. Die Überraschungen überlassen wir Ihnen jedoch lieber selbst.



Der Empfang: bevor es losgeht


Zunächst geht es zum Empfang, wo wir die Eintrittskarten kaufen und einige Erklärungen erhalten, bevor der eigentliche Rundgang beginnt. Wir wurden sehr gut informiert – zögern Sie also nicht, Fragen zu stellen.


Anschließend erkundet man das Museum auf eigene Faust und findet sich selbst zurecht. Doch alles ist so gestaltet, dass man problemlos durch die Ausstellung kommt. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen.



Und 2026 stehen die Frauen im Mittelpunkt


Tableau illustrant le travail des femmes

Wir gehen hinein und steuern direkt die Wechselausstellung 2026 an: „Femmes à l’ouvrage – Entre gestes et regards artistiques“ (Frauen bei der Arbeit – Zwischen Handgriffen und künstlerischen Blicken).


2026 ist das Musée d’Orsay (Paris) im Écomusée zu Gast und präsentiert diese Ausstellung, die den Frauen gewidmet ist.


Unser Eindruck? Als wir dort waren, gingen wir fest davon aus, dass es um die Rolle der Frauen in den Fabriken des 19. und 20. Jahrhunderts gehen würde.


Doch weit gefehlt! Die Ausstellung beschäftigt sich mit der Rolle der Frauen in der Arbeitswelt, wobei der Schwerpunkt auf der Stellung der Frau im Laufe der Jahrhunderte liegt. Und betrachtet man das Ganze mit den Augen eines Menschen aus dem Jahr 2026, ist das durchaus erschütternd. Allein deshalb lohnt sich der Besuch.


Die Ausstellung ist noch bis zum 20. Dezember 2026 zu sehen.



Das textile Erbe


exemple d'outils utilisés dans la fabrication du textile

Der Rundgang wird mit der Geschichte dieses Wirtschaftszweigs und seiner Ansiedlung im Haut-Beaujolais fortgesetzt. Und hier gibt es eine kleine Überraschung: Die Vermittlungsmethoden sind vielfältig. Natürlich gibt es Vitrinen, aber auch Videos, Geräusche (viele Maschinen sind so ausgestattet, dass sie uns das „echte Leben“ näherbringen) und sogar einige 3D-Elemente. Das gefällt uns besonders gut.


Wir erfahren mehr über die Bedeutung des Haut-Beaujolais (auch Beaujolais Vert genannt) für die Region, darüber, wie sich die Textilindustrie hier entwickelt hat, welche Unternehmen diese Industrie am Leben hielten und welche verschiedenen Berufe rund um die Herstellung entstanden.


Wir lernen die Geschichte der Bauernweber kennen, die neben der Arbeit auf den Feldern auch webten, um etwas zusätzliches Geld zu verdienen. Wir erfahren, wie die Herstellung zunehmend industrialisiert wurde und Fabriken entstanden, in denen einige dieser Bauernweber zunächst arbeiteten, bevor sie wieder selbstständig in ihren eigenen „Kabinen“ tätig wurden.


Dort sind auch einige Webstühle zu sehen, die einst in diesen Kabinen standen.


Exemple de machine utilisée par l'artisan individuel dans sa cabine


Die Fabrik: Maschinen im Großformat


Exemple de machines exposées

Und jetzt geht es richtig zur Sache: Wir betreten die Fabrik. Ihr ist ein eigener Raum gewidmet, beinahe sogar zwei, doch bereits im ersten Raum wird sie ebenfalls thematisiert.


Hier spürt man, dass das Museum einst selbst eine Fabrik war: Zunächst geht es durch die Umkleide, anschließend vorbei an der Stempeluhr!


Danach betreten wir das Reich der Webstühle – wobei längst nicht alle Maschinen tatsächlich Webstühle sind. Die Maschinen sind in der Reihenfolge angeordnet, in der sie bei der Herstellung einer Decke zum Einsatz kommen. Darunter befinden sich eine Jacquardmaschine, eine Aufraumaschine und vieles mehr. Dabei lernt man beinahe, wie man eine Decke herstellt!


Die größte Maschine ist ganze 17 Meter lang. Es gibt sogar einen Webstuhl zur Herstellung von Wischmopps. Nebenbei erfahren wir, dass das Werk Thion in Cours im Jahr 2024 der zweitgrößte Hersteller solcher Produkte in Europa war.


Métier à tisser les serpillères


Das Leben in der Manufacture


Les gens des usines

Hinter den Maschinen stehen natürlich auch Menschen, das Unternehmen und seine Produkte.


Der Rundgang vermittelt einen Einblick in das Leben in der Manufacture, in den Arbeitsalltag der Beschäftigten, die Organisation des Betriebs und die dort hergestellten Produkte.


Exemple de tissus utilisés et produits


Zurück zum Empfang


Der Rundgang endet mit der Rückkehr zum Empfang, bevor wir die Manufacture verlassen. Dort gibt es einen kleinen Laden mit regionalen Produkten: Textilien, Lebensmittel, Bücher und vieles mehr.


Eine Decke mit dem Schriftzug „La Manufacture“ für gemütliche Winterabende auf dem Sofa für 18 € – das ist durchaus angemessen, zumal sie natürlich vor Ort hergestellt wird.



Und was ist für 2027 geplant?


Bislang haben wir noch kein offizielles Programm gefunden, das es uns ermöglichen würde, die nächste Jahresausstellung anzukündigen. In den Gängen der Manufacture wird jedoch gemunkelt, dass sich das Thema um das Essen drehen könnte. Wir bleiben dran – und hoffen, dass es auch etwas zum Genießen geben wird!



Eine Stärkung nach dem Arbeitstag


Ein Arbeitstag in der Manufacture muss sicherlich hungrig gemacht haben! Wenn damals die Feierabendglocke läutete, war es Zeit, die Werkstätten zu verlassen und an die Nachmittagsstärkung zu denken.


Die Arbeiter konnten sich damals natürlich noch nicht auf die Epicerie-Beaujolaise verlassen, um ihren Korb zu füllen. Heute sieht das anders aus!


Terrinen und Würste aus einer Herstellung in nur 15 km Entfernung, Fruchtsäfte aus 13 km Entfernung und ein paar süße Leckereien zum Teilen: So lässt sich der Besuch gemütlich ausklingen und die Region weiter entdecken – diesmal mit dem Gaumen.


Und das passt bestens, denn alles, was man für diesen kleinen Genussmoment braucht, findet man in der Epicerie-Beaujolaise.



Nützliche praktische Informationen


Écomusée du Haut-Beaujolais – La Manufacture – Thizy-les-Bourgs


Parkplatz: Fast direkt am Anfang der Straße „Aux Pierres Plantées“, wie sie in Maps bezeichnet wird. Auf der Satellitenansicht ist der Parkplatz noch nicht zu erkennen, in Street View lässt er sich jedoch erahnen.


Eintritt für Erwachsene: 7 €

Ermäßigter Eintritt: 4,50 € – kostenlos für Kinder bis einschließlich 10 Jahre.


Öffnungszeiten: Diese variieren je nach Jahreszeit. Im September 2026 ist das Museum von Mittwoch bis Montag jeweils von 10:30 bis 18:00 Uhr geöffnet und dienstags geschlossen. Informiert euch vor eurem Besuch über die aktuellen Zeiten. Sie sind übrigens sehr übersichtlich auf der Website angegeben.


Und vor allem: Plant genügend Zeit ein! Wir haben uns bei unserem Besuch ziemlich beeilt und trotzdem zwei Stunden gebraucht. Plant besser drei Stunden ein – oder vier, wenn ihr große Fans von Industriemaschinen und/oder Geschichte seid.


Ein letzter Eindruck zum Abschied: Weil hier Menschen am Werk sind, die sich bestens mit ihrem Thema auskennen, weil das Besuchserlebnis durch moderne Elemente bereichert wird, weil die fast intime Atmosphäre ein echtes Eintauchen in die Geschichte ermöglicht und weil der Ort einen leichten URBEX-Charakter hat: Macht euch auf den Weg!

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